Straßen im Schnoorviertel

Der Schnoor und seine Straßen

Schnoor 1961 April

Schnoor April 1961 © SchnoorArchiv

Die Bezeichnung des Straßenzuges kommt aus dem Plattdeutschen:
Schnoor = Schnur.
Hierbei gibt es verschiedene Deutungen. Die Einen sagen, die Schnur beziehe sich darauf, dass die Häuser aufgereiht seien wie die Perlen auf einer Schnur. Die Anderen sagen, der Name komme von den Tauen, Seilen und Schnüren, die dort lebende Fischer zum Knüpfen ihrer Fischernetze gefertigt und ausgelegt haben.
Die sehr enge Gasse gab dem gesamten Balgeviertel seinen Namen. Urkundlich wurde der Schnoor erstmals im 13.Jahrhundert erwähnt.

Wüstestätte

Wüstestätte 1900

Wüstestätte um 1900 © SchnoorArchiv

Der Name „Wüstestätte“ bezieht sich auf die brachliegende Stadtlandschaft.
Hier, rund um den Standort des Jacobus Packhauses, hat im Jahre 1657 der Stadtbrand gewütet. Nach diesem Ereignis blieb diese Ecke des Viertels lange Zeit unbebaut, die Stätte lag „wüst“.

Stavendamm

Bremen Schnoor Stavendamm in Ruinen © SchnoorArchiv

Bremen Schnoor Stavendamm in Ruinen © SchnoorArchiv

Im Mittelalter standen hier die öffentlichen Badestuben Bremens, die Staven, plattdeutsch für beheizte Stube.
Es war die Straße der Bader und Barbiere.
Ihre Badestuben lagen auf einem sehr alten Weg in die Stadt, einem kleinen, mit Holzbohlen gepflasterten Hochwasserdamm.
Im 18.Jahrhundert wurden hier prächtige Bürgerhäuser errichtet, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Übrig blieben einige kleinere Häuser, die zum einheitlichen Bild des Schnoorviertels mit beitragen.

Hinter der Holzpforte

Hinter der Holzpforte 1

Hinter der Holzpforte 1 © SchnoorArchiv

„Hinter der Holzpforte“, von der Stadt aus gesehen, lag im Mittelalter Bremens Holzhafen für geflößtes Holz. Diese Pforte war ein Torbauwerk mit Wehrturm, welches den Hafenbereich von der Stadt trennte.

Marterburg

Marterburg 1906

Marterburg 1906 © SchnoorArchiv

An dieser Stätte lagerten einst die Müller des Umlands ihr Mahlgut. Eine Matte (auch Metze) waren 60 Pfund.
Hier wurde also niemand gequält oder gemartert, sondern eigentlich müsste die Straße „Mattenburg“ heißen.

Süsterstraße

süsterstrasse

Süsterstraße 2013 © Bernd Meyer

Eine „Suste“ bezeichnet plattdeutsch eine Herberge mit Wagenstallungen. Im Falle des Schnoorviertels befand sich hier wohl eine Unterkunft für Fuhrleute, die mit Korn nach Bremen kamen.

Langewieren

Langewieren Ecke Königstrasse jetzt Landherrenamt ca 1935

Langewieren Ecke Königstrasse jetzt Landherrenamt ca 1935
© SchnoorArchiv

„Wieren“ (vgl. engl. Wire) steht im Plattdeutschen für Draht. Es hat jedoch kein Drahtzieher im Schnoorviertel gearbeitet. Langewieren leitet sich vom Aussehen der Straße ab, die so langgezogen und schmal wie ein Draht erschien.
Dies ist einer von vielen Hinweisen darauf, dass das Schnoorviertel bereits in alter Zeit als kleinräumig angesehen wurde.

Tiefer

MiS 40

Blick von der Tiefer in Richtung „umgedrehte Kommode“
© SchnoorArchiv

„Uppe de Tyfere“ wurde das tiefer als die Domdüne liegende Stadtgebiet genannt, das sich zwischen Langewieren und Wachtstraße bis zur Weser erstreckte.
Das Schnoorviertel gehörte also teilweise dazu. Später wurde der Flurname auf den Straßennamen eingeschränkt.

Hinter der Balge

Hinter der Balge 1950

Hinter der Balge 1950 © SchnoorArchiv

Die Balge war ein kleiner, schiffbarer Nebenarm der Weser.
Ab 1837 wurde der etwa 4 Meter breite Flusslauf zugeschüttet, für die Hafenwirtschaft war die Balge bereits damals zu klein. Die Häuser „Hinter der Balge“ gerieten ins Abseits wie das gesamte Viertel.

Spiekerbartstraße

Schnoor Spiekerbartstrasse 2

Schnoor Spiekerbartstrasse 2 © SchnoorArchiv

Wie im Falle der Straßenzüge Schnoor und Langewieren bezieht sich der Ausdruck „Spiekerbart“ auf die Enge der Gasse. Ein „Spieker“ ist ein Nagel. Mit Bart bezeichnete man ein Handwerkszeug, mit dem man etwas eindrehen kann.
„Spiekerbart“ bedeutet somit Nagelbohrer und die Straße ist schmal wie ein solcher.

Kolpingstraße

Langewieren Kolpingstrasse

Langewieren / Kolpingstrasse © SchnoorArchiv

Benannt nach dem Theologen Adolf Kolping, 1813-1865, dem Begründer der katholischen Gesellenvereine. Nachfolger dieser Vereine ist heute das Kolpingwerk. Kolping wurde 1991 durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.
Die ehemalige Gartenstraße wurde 1950 ihm zu Ehren umbenannt, denn das Schnoorviertel hatte für die katholische Kirche nach ihrer Wiederbegründung in Bremen 1816 große Bedeutung gewonnen.
Die nahe Sankt Johannis Kirche wurde Hauptkirche der Bremer Katholiken. Viele katholische Einrichtungen siedelten sich bald in ihrer Nähe, in der Kolpingstraße an.
2002 ist dort ein Brigittenkloster eröffnet worden, so dass im Schnoorviertel wieder ein Kloster existiert, nachdem das der Franziskaner 1546 geschlossen wurde.

Klosterkirchenstraße

Klosterkirchenstr..1.dl

Mit der Klosterortstraße und der Franziskanerstraße umgrenzt die Klosterkirchenstraße das Gebiet des ehemaligen Franziskanerklosters. Dieser Orden war von 1225 bis 1546 Teil des religiösen Lebens in Bremen und gemäß der Ordensregel unter anderem auch für die Armenfürsorge tätig. Dies übernahm später die Jacobus Bruderschaft.

Text: Der Geschichtenhaus Schmöker

Advertisements

2 Gedanken zu “Straßen im Schnoorviertel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s