Das Fass: „Der Container“ des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Autorin: Caroline Tronnier

Das Fass: „Der Container“ des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Das Fass – auch Tonne genannt- ist ein bauchiger Behälter zum Transportieren von Handelsware. Dazu gehörten zum Beispiel flüssige Güter wie Bier, Tran oder Wein, aber auch Fische und Salz, und sogar Keramik und Metallwaren. Es gab Fässer in den verschiedensten Größen. Es handelt sich um einen sicheren Behälter, der die Gegenstände vor dem Zerbrechen und die Lebensmittel vor dem Verderben schützte. Somit war das Fass auch für lange Seereisen mit dem Schiff geeignet. Beim Be- und Entladen besaßen die Fässer gegenüber Kisten einen wesentlichen Vorteil. Die schweren Gefäße mussten nicht getragen werden, sondern man konnte sie rollen.

Der Handwerker, der die Fässer herstellte, war der Böttcher, regional auch unter anderen Bezeichnungen bekannt, wie z. B. Fassbinder, Fassmacher, Büttner etc. Es handelte sich um solide Handarbeit. Ausgangsmaterial war Holz von möglichst guter Qualität, vorzugsweise Eichenholz, aber zuweilen auch Buchenholz und Nadelholz. Eichenholz ist sehr lange haltbar und formstabil.

Zunächst wurden die Baumstämme mit einer großen Säge auf die richtige Länge zugeschnitten. Dann wurden mit Spaltaxt, Holzhammer und Keilen die Einzelstücke hergestellt. Das sind zum einen der Boden und der Deckel, und zum anderen 20 bis 30 längliche Bretter, auch Dauben genannt. Jetzt wurden die Hölzer zur Austrocknung mehrere Jahre gelagert. Vor der Weiterverarbeitung musste der Böttcher in einer Skizze die Maße festlegen und eine Schablone erstellen. Die Wölbung zur Rundung der Dauben erzielte man durch kraftvolles Biegen unter Einsatz von Hitze und Feuchtigkeit. Fest zusammengefügt wurden die Dauben mit mehreren Reifen aus Metall. Zum Schluss wurden Boden und Deckel eingefügt. Fässer zum Transport von Flüssigkeiten, z.B. von Bier, konnten mit Pech abgedichtet werden.

Böttcher bei der Arbeit

Bild: Böttcher bei der Arbeit

(Hausbuch der Mendelschen

Zwölfbrüderstiftung 1478)

Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wurden Holzfässer in großen Mengen produziert. Dementsprechend war der Böttcher ein weitverbreiteter Beruf. Heute wird bei industrieller Produktion als Material für Fässer Kunststoff oder Metall verwandt. Seine traditionelle Bedeutung hat das handgefertigte Holzfass nur noch zur Lagerung von erlesenen Weinen.

In Bremen erinnert heute noch die Böttcherstraße an dieses alte Handwerk. Hier waren früher die Böttcher ansässig.

Literatur

Manfred Halfer, Helmut Seebach: Altes Handwerk und Gewerbe in der Pfalz Haardt, Anweiler-Queichhambach 1991.

Jörg Lusin: Altes Handwerk. In Vergangenheit und Gegenwart Bd. 1, Gerchsheim 2005.

Wolfgang Metzger: Handel und Handwerk des Mittelalters, Graz 2002.

Michael Packheiser: Böttcher, in: Reinhold Reith (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngießer, München 2008., S. 33-37.

Monika Porsch: Bremer Straßenlexikon, Bremen 2003.

Der Freundeskreis Bremer Geschichtenhaus freut sich
immer wieder etwas dazu lernen zu können!

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