Die Bremer Stadtsoldaten im 17. und 18. Jahrhundert

Autorin: Caroline Tronnier

Die Bremer Stadtsoldaten im 17. und 18. Jahrhundert

Bremer Stadtsoldat

Bremer Stadtsoldat in der Uniform von 1799

1. Die Institution Stadtmilitär

Begründet wurde diese Institution unter dem Begriff Stadtmilitär im Jahre 1618 durch den Stadtrat. Im Jahre 1810 erfolgte durch die französischen Besatzer Bremens die Auflösung der Einheit. Über entsprechende Einrichtungen verfügten im Übrigen auch die Städte Hamburg und Lübeck.

Wie die Bezeichnungen Stadtmilitär und Stadtsoldaten belegen, handelte es sich im Ursprung tatsächlich um eine Einrichtung zum Schutz vor feindlichen Bedrohungen auswärtiger Mächte. Entsprechend militärisch gestaltet waren die Personalstruktur (Kompanien, Gemeine, Gefreite, Offiziere etc.) und die Verhaltensnormen (Disziplin, Hierarchie etc.). Das Bremer Stadtmilitär war insoweit aber nur eine defensive „Verteidigungsarmee.“ Zu kriegerischen Kampfhandlungen kam es nur einmal in den zwei Jahrhunderten. Das war 1654 fünf Monate lang im Krieg gegen Schweden, und zwar außerhalb des Stadtgebietes im Bereich Vegesack. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und in den Schwedenkriegen (1654 und 1666) gelangten keine Feinde in die Stadt. Die Besetzung durch französische Truppen 1757 und 1806 geschah ohne Kampfhandlungen.

Das Stadtmilitär war aber keinesfalls nur eine Armee. Eine wesentliche Bedeutung lag auf der Wahrung des innerstädtischen Friedens und der Durchsetzung der städtischen Verwaltungsordnung. Das Stadtmilitär entwickelte sich im 18. Jahrhundert de facto zu einer multifunktionalen „Behörde“ in den Ressorts Polizei, Feuerwehr, Katastrophendienst, Seuchenbekämpfung etc.

Dienstherr der Stadtsoldaten war die Stadtgemeinde. In Friedenszeiten gab es 500 bis 600 Bedienstete. Das ist eine beachtliche Zahl, denn Bremen hatte um 1650 ca. 25.000 Einwohner und um 1807 waren es ca. 36.000 Einwohner. Finanziert wurde das Stadtmilitär übrigens durch die Bevölkerung durch eine zusätzliche Verbrauchssteuer. Das war eine Art frühneuzeitliche „Mehrwertsteuer“.

2. Die Aufgaben des Stadtmilitärs

Die Aufgaben waren recht vielfältig. Die Haupttätigkeit der Soldaten bestand im Wachdienst auf den Wällen und an den Stadttoren. Dadurch sollte der Schutz gegen Bedrohung durch äußere Feinde gewährleistet werden. Einen besonderen Wachdienst genoss das Rathaus. An den Stadttoren wurden alle einreisenden und ausreisenden Personen kontrolliert. Stadtfremde Personen, wie Vagabunden, Bettler, Gesindel und Juden standen also unter besonderer Beobachtung. Dazu gehörten auch schriftliche Eintragungen in den Wachbüchern. Natürlich erforderte das Amt auch Dienst bei Nacht und bei jeder Wetterlage. Eine Schicht von 24 Stunden bedeutete 8 Stunden Arbeit und 16 Stunden Bereitschaft. Darauf folgten zwei freie Tage.

Über diesen militärischen Wachdienst hinaus wurden die Stadtsoldaten aber spätestens ab dem 18. Jahrhundert auch zur Wahrung der innerstädtischen Ordnung eingesetzt. Sie waren eine Art „Mädchen für alles“, nämlich Polizei, Feuerwehr, Katastrophendienst, Seuchenbekämpfer etc. Sie mussten Brände melden, Diebstähle verhindern und Vieh von den Deichen verjagen. Sie bewachten beschlagnahmte Viehherden, führten Häftlinge zu Gerichtsterminen und bewachten das Zuchthaus. Streitschlichtung in Wirtshäusern fiel ebenfalls in ihren Bereich. Ebenso das Überbringen von Meldungen, die Durchführung von Verhaftungen, die Unterbindung von Aufruhr und die Durchsetzung von Ratsanordnungen. Bei der Bekämpfung von Zollvergehen unterstützten sie die Zollbeamten. Außerdem hatten sie die Funktion der Feuerwehr, mit Brandbekämpfung, Hochwasserschutz und Aufeisen der Weser. Des Weiteren sollten sie bei der Seuchenbekämpfung helfen. Beim Besuch von ausländischen Würdenträgern stellten sie das Ehrengeleit.

3. Der Stadtsoldat

3.1. Dienstrecht

Wer Stadtsoldat werden wollte, der musste sich bei der Kriegskammer bewerben und einer Musterung unterziehen. Die Bewerber kamen also freiwillig. Die meisten Soldaten waren bei Dienstantritt zwischen 20 und 30 Jahre alt. Die kurze Grundausbildung umfasste in den Wallanlagen den Waffengebrauch und auf dem Domshof oder der Bürgerweide den geordneten Aufmarsch der Truppe. Die Dienstzeit reichte bis zur altersbedingten (wohl mit ca. 60 Jahren) oder krankheitsbedingten Pensionierung oder bis zum vorherigen Tod. Es handelte sich also im Prinzip um eine Lebensstellung in einem Berufsheer. Das Stadtmilitär unterhielt im Übrigen zu keiner Zeit Kasernen. Die Soldaten hausten in billigen, gemieteten Wohnungen.

3.2. Die Bewaffnung

Die Waffen wurden von der Kriegskammer beschafft. Zur obligatorischen Ausrüstung gehörte in erster Linie ein Gewehr. Das waren bis 1681 Luntenmusketen und dann Steinschlossgewehre. Die Gewehre mussten von den Soldaten durch ratenweisen Lohnabzug selbst bezahlt werden. Als weitere Waffe diente bis 1745 im Nahkampf der Pallasch, eine säbelähnliche Hieb- und Stichwaffe, und in der Folgezeit ein auf das Gewehr gepflanztes Bajonett. Offiziere besaßen als Rangabzeichen Hellebarden bzw. Piken und als Nahkampfwaffe einen Degen. Das Stadtmilitär verfügte zu keiner Zeit über eine Kavallerie oder Artillerie.

3.3. Die Uniform

Die Uniform (auch Montur genannt) wurde alle zwei bis drei Jahre ersetzt. Sie bestand aus Rock (Jacke), halblanger Hose, Hemd, Weste, breitkrempigem Hut, knielangen Strümpfen und schwarzen Halbschuhen. In Bremen waren traditionell schon im 17. Jahrhundert Hose, Strümpfe und Weste weiß und der Rock rot. Im 18. Jahrhundert gab es statt der langen Strümpfe und der Halbschuhe hohe Stiefel. Im Winter kam ein warmer Überrock, eine Art Mantel, hinzu. Daneben gab es Paradeuniformen für besondere Anlässe und spezielle Uniformen für Offiziere. Auch für die die Kosten der Uniform mussten die Stadtsoldaten durch ratenweisen Lohnabzug selbst aufkommen.

3.4. Die Entlohnung

Das Amt war als sicherer und dauerhafter Staatsdienst so begehrt, dass es genug Freiwillige gab und die Stadt nicht anwerben oder verpflichten musste. Man trug eine Uniform, besaß Waffen und repräsentierte die „Staatsmacht“. Der Monatslohn von 3 Reichstalern und 40 Groten reichte allerdings kaum aus, die Kosten für Wohnung, Kleidung und Nahrung abzudecken, insbesondere für die Ehefrau und Kinder. Dazu kommt, dass durch ratenweisen Lohnabzug die Uniform und die Gewehre selbst finanziert werden mussten. Auch ein Pflichtbeitrag für die Witwenkasse wurde erhoben. Der Verdienst des einfachen Soldaten lag weit unter dem Lohn eines angestellten Handwerksgesellen. Diese Soldaten waren somit gezwungen, einem Nebenerwerb nachzugehen. Zum Beispiel als selbstständige Handwerker in ihrem ehemaligen Beruf, also als Schuster, Schneider usw. oder in Heimarbeit als Strumpfwirker und Perückenmacher, aber auch als Hilfsarbeiter im Baugewerbe.

Vergleichsweise besser war die Situation für die Offiziere. Schon im niedrigsten Offiziersrang wurden 12 bis 15 Reichstaler monatlich gezahlt. Das war gegenüber dem gemeinen Soldaten das Drei- bis Vierfache und übertraf auch den Handwerksgesellen. Der Sold eines Capitains war sogar noch erheblich höher. Im Übrigen erhielten die Stadtsoldaten ab 1707 einen Teil des Solds nicht in Geld, sondern als Naturalleistung, nämlich Brot aus dem städtischen Kornhaus.

Nach dem Ausscheiden aus dem Dienst wegen Alters oder Invalidität bekam der Stadtsoldat eine Pension aus der Stadtkasse. Die Pension war von Dienstgrad und Dienstdauer abhängig und entsprach etwa einem halben Monatsgehalt. Da blieb für die einfachen Ränge nur weiterer Nebenerwerb oder die Armenanstalt.

Literatur: Andree Brumshagen: Das Bremer Stadtmilitär im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Untersuchung zum Militärwesen in einer Hansestadt (Kleine Schriften des Staatsarchivs Bremen – Heft 45), Bremen 2010.

Bürgerkompanie

Diese Uniformen aus dem 17. Jahrhundert gehören nicht zum Stadtmilitär, sondern zur Bürgerkompanie. Gleichwohl können sie aber Hinweise auf den Zuschnitt der Uniform der Stadtsoldaten geben. Die Farben stimmen allerdings auf keinen Fall überein. Für die Stadtsoldaten ist schon 1637 die rote Uniformjacke belegt. Brumshagen führt dazu aus „Die Farbgebung war, angelehnt an die Bremer Stadtfarben rot und weiß.“ (Andree Brumshagen: Das Bremer Stadtmilitär)

Der Freundeskreis Bremer Geschichtenhaus freut sich
immer wieder etwas dazu lernen zu können!

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