Die Bremisch-Schwedischen Kriege

Autorin: Caroline Tronnier

Die Bremisch-Schwedischen Kriege

1. Schweden als Großmacht

Die Ursachen dieser Kriege gehen auf den Dreißigjährigen Krieg zurück. Schweden war zwischen 1630 und 1720 eine Großmacht in Nordeuropa. Zusätzlich zum heutigen Staatsgebiet umfasste es auch ganz Finnland. Dazu kamen Eroberungen in Dänemark, Norwegen, Estland, Livland und Russland. Seit 1648 hielten die Schweden auch einige deutsche Gebiete in Besitz, insbesondere die Stadt Wismar und Teile von Vorpommern mit Stralsund und Stettin. Eine besondere Bewandtnis hatte es mit dem Herzogtum Bremen-Verden, das seit 1648 zu Schweden gehörte. Bestandteil dieses Herzogtums war auch das ehemalige Erzbistum Bremen. Dieses umfasste Gebiete im näheren und weiteren Umland. Nicht dazu gehörte jedoch – mit Ausnahme des Dom-Bezirks- die Stadt Bremen. Die konnte ihre Unabhängigkeit gegenüber den Schweden auch in der Folgezeit bewahren. 

Schweden01

2. Bremen im Dreißigjährigen Krieg

Im Dreißigjährigen Krieg, der von 1618 bis 1648 dauerte, verhielt sich die Stadt Bremen, obwohl sie über ein Berufsheer (Stadtmilitär) verfügte, möglichst neutral und blieb vom Kriegsgeschehen die meiste Zeit verschont. 1628 drohte die Besetzung durch katholische kaiserliche Truppen, aber Bremen erwirkte gegen 10.000 Reichstaler die Verschonung. Auch der Besetzung durch schwedische Truppen 1632 entging man durch Geldzahlungen. 1638 marschierten katholische kaiserliche Truppen auf Bremen, zogen dann aber ohne Kampf wieder ab. Erneut waren Geldzahlungen im Spiel. 1640 war Bremen zum Reichstag nach Regensburg geladen. Das werteten die Bremer als Indiz für einen Status der Selbstständigkeit. Das Erzbistum Bremen, das die Schweden schon länger beanspruchten, wurde von schwedischen Truppen 1645 militärisch besetzt und dann 1646 förmlich in Besitz genommen. Doch die Schweden erhoben Anspruch auf die ganze Stadt Bremen.

3. Das Linzer Diplom

Mit der Besetzung des Erzbistums schien auch die Freiheit der Stadt bedroht. Bremen erwirkte deshalb unter dem Protest der Schweden 1646 durch diplomatisches Geschick und unter Einsatz von 100.000 Gulden (nach heutigem Wert ca. 5 bis 10 Mio. Euro) das Linzer Diplom. Mit dieser Urkunde bestätigte der Kaiser die Reichsunmittelbarkeit, also den Status als Freie Reichsstadt. Schwedens Ansprüche auf die Stadt waren damit zunächst abgewehrt. 

Vgl. im Geschichtenhaus-Schmöker die Abhandlung unter „Linzer Diplom.“

Linzer Diplom

4. Der Westfälische Friede

Der Westfälische Friede von 1648 sollte im Streit zwischen Schweden und Bremen Klarheit bringen. Der entsprechende Passus im Friedensvertrag lautete sinngemäß:

Die Stadt Bremen mit ihrem Gebiet und ihren Untertanen soll in ihrem gegenwärtigen Rechtszustand, ihrer Freiheit, ihren Rechten und Privilegien in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten uneingeschränkt belassen werden. Etwaige Streitigkeiten zwischen ihr und dem Bistum oder Herzogtum sollen durch gütliche Verhandlung oder durch Gerichtsentscheid geklärt werden. Inzwischen soll aber jede Partei in dem Besitz verbleiben, den sie derzeit innehat.

Für die Schweden war die Sache damit jedoch nicht erledigt. Aus ihrer Sicht war das Linzer Diplom inhaltlich unzutreffend und auf unzulässige Weise zustande gekommen. Die Schweden bestritten Bremens Reichsunmittelbarkeit. Sie begehrten die Herrschaft nicht nur über das ehemalige Erzbistum, sondern über die ganze Stadt. Bemühungen, die Fragen durch diplomatische Verhandlungen zu klären, blieben in den folgenden Jahren erfolglos.

5. Erster Bremisch-Schwedischer Krieg 1654

1653 wurde Bremen auf den Reichstag zu Regensburg geladen. Das konnte als Bestätigung der Selbstständigkeit aufgefasst werden und musste die Schweden provozieren. Die Schweden rückten im Norden an die Stadtgrenzen vor und errichteten Schanzen als Befestigungsanlage.

Sie besetzten unter Feldmarschall Graf von Königsmarck stadtnahe Gebiete im Bereich Lehe und Vegesack. Der Erste Bremisch-Schwedische Krieg war nicht mehr aufzuhalten. Bremen erfuhr am 11. März 1654 von Angriffsplänen, befestigte die nördliche Grenze im Bereich Burg durch eine Schanze und stationierte dort eine kleine Truppe. Am 30. März begannen die Kampfhandlungen. Die Schweden setzten über die Lesum und griffen die Burger Schanze an. Verzweifelt wehrten sich 130 Soldaten gegen die Übermacht von 2000 Angreifern. Die Bremer schickten am 31. März als Verstärkung ca. 1200 Mann ins Feld, darunter auch Soldaten des Stadtmilitärs. In Gröpelingen wurden sie jedoch durch eine schwedische Schanze gestoppt und traten ohne Schusswechsel den Rückzug an. Die Station Burg wurde am 2. April aufgegeben. Die verbliebene Besatzung von 120 Mann erhielt freien Abzug nach Bremen. Jetzt drangen die Schweden in Richtung Stadt vor. Sie besetzten Blumenthal und ihre Soldaten plünderten Walle, das damals noch außerhalb der Stadt lag.

Doch noch gab Bremen sich nicht geschlagen. Die städtische Armee wurde in kurzer Zeit aufgerüstet. Die Soldaten des Stadtmilitärs, (einschließlich der zusätzlich angeworbenen Kräfte) und der Bürgerkompanien bildeten eine Armee von mehr als 3000 Kämpfern. Den Oberbefehl hatte Oberst Gerhard auf dem Keller. Die Schweden griffen zwar Gebiete im Bremer Umland an. Der Angriff auf die Stadt selbst blieb jedoch aus. Im April 1654 wurde der Bremer Kaufmann Burchard Lösekanne als Agent der Schweden entlarvt und im Mai hingerichtet. Im Mai eroberten die Schweden ohne Verletzte oder Tote die bremische Exklave Bederkesa. Im Bremer Umland kam es zu kleineren Scharmützeln, die aber keine Toten forderten. Am 14. Juni begab sich eine große Bremer Truppe mit Kanonen und Pferden zur Burger Schanze und eroberte diese Bastion zurück. Schweden beklagte 18 Tote, darunter auch den Kommandanten. Auf bremischer Seite starben dabei 20 Mann. Im Juli siegten die Bremer in Verden, Wursten und Thedinghausen. Bei Schlieme, ca. 20 km vor Bremen, erlitten sie aber eine harte Niederlage und beklagten über 100 Tote. Die siegreichen Schweden verloren dort 160 Mann. Im September eroberten die Schweden die Burger Schanze zurück. Den großen Angriff auf die Stadt wagten sie jedoch auch jetzt nicht. Am 15. September erwirkte Bremen gegen Geldzahlung einen Waffenstillstand.

Am 28. November 1654 schließlich kam es in Stade zu einem Friedens-Vergleich. Dabei wurde die Frage der Reichsunmittelbarkeit, also der Stadtfreiheit, offen gelassen. Aber Bremen musste den Schweden huldigen, also Ehrerbietung und friedliche Gesinnung zeigen. Der Vertrag war für Bremen mit erheblichen Geldzahlungen an Schweden verbunden. Bederkesa und Lehe fielen an Schweden. Bremen durfte sich nicht mit anderen Mächten verbünden. In den Folgejahren ruhte die Auseinandersetzung im Hinblick auf großpolitische Ereignisse. Schweden befand sich von 1655 bis 1661 in Kriegen mit Polen, Russland und Dänemark um die Vorherrschaft im Ostseeraum. 

Soldaten

Soldaten der Bremer Bürgerkompanien zur Zeit der Schwedenkriege

6. Zweiter Bremisch-Schwedischer Krieg 1666

Nach dem Stader Frieden herrschte eine trügerische Ruhe. Der Konflikt war nicht behoben, sondern nur aufgeschoben. Zwischen 1660 und 1664 verstärkte bzw. modernisierte Bremen die Befestigungsanlagen in der Altstadt, aber auch in der Neustadt. 1665 hatten sich die Schweden anscheinend von den Ostseekriegen erholt und marschierten im Oktober auf Bremen vor. Diplomatische Verhandlungen blieben ohne Erfolg. Im Januar 1666 verstärkte Schweden unter dem Kommando von Feldmarschall Wrangel den Truppenaufmarsch. Die darauf folgenden Verhandlungen wurden im Mai abgebrochen und ein Angriff stand bevor. Doch es kam ab Juni zu neuen Verhandlungen. Gesandte aus Brandenburg und Braunschweig-Lüneburg traten als Vermittler auf. Im August umschlossen schwedische Truppen die Stadt. Bremen war wild entschlossen, sich um jeden Preis zu verteidigen. Man verfügte nicht nur über gute Befestigungen und ausreichende Nahrungsreserven, sondern rüstete auch auf die Schnelle eine schlagkräftige Armee aus Berufssoldaten und Freiwilligen. Den Oberbefehl hatte wiederum Oberst Gerhard auf dem Keller. Doch außer kleineren Scharmützeln und Plünderungen mit Sachschäden blieb es ruhig an der Front. So erbeuteten z.B. die Schweden 200 Kühe von der Weide vor der Neustadt. Kurze Artilleriegefechte mit beidseitigem Kanonenbeschuss verursachten Sachschäden, forderten aber auch einige wenige Todesopfer. Der große Angriff kam jedoch nicht. Die Schweden scheinen ihrer Sache nicht so sicher gewesen zu sein. Sie verfügten über 6780 Mann (davon 2760 Reiter und 4020 Fußsoldaten). Aber die Stadt konnte mit einer ähnlichen Truppenstärke aufwarten. Zusätzlich zu den ca. 1600 Berufssoldaten standen hier mehr als 3000 Mann aus den Bürgerkompanien zur Verfügung, also insgesamt um die 5000 Kräfte. Zudem war die Stadt gut befestigt und besaß schlagkräftige Kanonen. Bremen beharrte entgegen der schwedischen Forderung immer wieder auf dem Status einer Freien Reichsstadt. Beide Streitparteien bekamen allmählich Versorgungsprobleme. Im Oktober explodierte den Schweden im eigenen Lager eine Kanone, das forderte 13 Todesopfer. Während der nun folgenden Verhandlungen ab Mitte Oktober herrschte Waffenstillstand. Der wurde auch weitgehend eingehalten.

Die Schweden verstärkten ihre Truppen jetzt um weitere 3000 Soldaten. Doch das brachte ihnen keinen großen Vorteil. Inzwischen hatten sich nämlich auswärtige Mächte- unter ihnen die Niederlande und Dänemark- zu einem antischwedischen Bündnis entschlossen und Bremen Hilfe in Aussicht gestellt. Auch drohte der Einsatz eines kaiserlichen Heeres gegen die Schweden. Ihr Befehlshaber Wrangel, der sein Hauptquartier im nichtbremischen Habenhausen hielt, stand nun stark unter Druck und zeigte Kompromissbereitschaft.

Die Schweden gaben die Belagerung auf und schlossen am 15. Nov. 1666 in Habenhausen mit der Stadt Bremen einen Friedensvertrag. Die Entscheidung über die Frage der Reichsunmittelbarkeit blieb weiter offen. Im Verkehr mit Schweden musste Bremen jedoch auf den Titel „Kaiserliche Freie Reichsstadt“ verzichten. Auf die Teilnahme an den künftigen Reichstagen sollte Bremen verzichten, und zwar bis zum Jahre 1700. Letztgenannte Klausel entfaltete aber keine Wirksamkeit, denn es gab in der Zukunft gar keine neuen Reichstage. Der seit 1663 andauernde (sogenannte „immerwährende“) Reichstag in Regensburg entwickelte sich zu einer Dauereinrichtung und währte bis zum Jahre 1806. Auf die Weise blieb Bremen unverändert Reichstagsmitglied. Weiterhin musste die Stadt Reparationen an Schweden zahlen. Die schwedischen Truppen zogen ab.

Bis zur Ratifizierung des Vertrages dauerte es aber noch eine Weile. Erst im Mai 1667 schickten die Schweden die vom König unterzeichnete Friedensurkunde nach Bremen zur Unterschrift. Am 9. Juli 1667 kam es dann in Anwesenheit von Generalfeldmarschall Wrangel zu der von Schweden im Friedensvertrag durchgesetzten Huldigung im Rathaus. Mit der Huldigungs-Formel bekräftigte Bremen, „der Königlichen Majestät zu Schweden treu und hold zu seyn.“ Das bedeutete aber nicht, dass die Stadt Bremen jetzt zu Schweden gehörte. Die Feierlichkeiten bestanden aus Festreden, Paraden, Salutschüssen, Banketten und Dankgottesdiensten. 

Carl Gustav Wrangel

Der schwedische Generalfeldmarschall Carl Gustav Wrangel im Gefecht

7. Fazit

Die Auseinandersetzungen von 1654 und 1666 zwischen der Stadt Bremen und der Großmacht Schweden gehörten sicherlich nicht zu den großen Kriegen der Zeitgeschichte. Immerhin forderten sie über 300 Tote, etliche Verletzte, erhebliche Sachschäden und einen gewaltigen finanziellen Aufwand. Aber es war der stolzen Stadt gelungen, die Freiheit und Selbstständigkeit zu verteidigen und zu bewahren. Neue Bewegung in die Frage der Bremer Reichsunmittelbarkeit kam erst 1719 durch das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg.

Literatur:

Peter Koster: Chronik der Kaiserlichen Freien Reichs- und Hansestadt Bremen 1600-1700, Bremen 2004.

Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen Bd. 1, Bremen 1975.

Herbert Schwarzwälder: Bremen im 17. Jahrhundert, Bremen 1996.

Der Freundeskreis Bremer Geschichtenhaus freut sich
immer wieder etwas dazu lernen zu können!

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