Gesche Gottfried im Film

„Ratzekraut und Mäusebutter vs. Frömmelei und Rührseligkeit“

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Der Andrang war groß als Mick mal wieder den 1978 von Radio Bremen unter der Regie von Karl Fruchtmann entstandenen Film über die fleißigste Bremer Serienmörderin Gesche Gottfried vorführte. Gesche wird von Sabine Sinjen gespielt und Rolf Becker gibt den „Defensor“ F. L. Voget. In weiteren Rollen zu sehen: der wunderbare Tilo Brückner (Miltenberg), Ursula Hinrichs (Mutter Timm) und Siemen Rühaak (Bruder Johann). Am 10. Dezember 1978 hatte der Film, bei dem Günther Wedekind die Kamera führte, in der ARD Premiere.  Weiterlesen

Bremer Freiheit – Frau Geesche Gottfried

Nicht nur im Bremer Geschichtenhaus wird Gesche Gottfried wieder lebendig, auch das Bremer Amateur Theater Ensemble e.V. hat sich ihrer angebommen.

Bremer Freiheit – Frau Geesche Gottfried

Ein bürgerliches Trauerspiel
von Rainer Werner Fassbinder

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Ein modernes Theaterstück über das Leben und Wirken der berüchtigten Bremer Giftmörderin Geesche Gottfried. Was trieb sie an, 15 Menschen umgebracht zu haben? Kann sie sich der Schuld für diese Morde entziehen?
Das Bremer Amateur ­Theater Ensemble hat sich dieses Themas angenommen und präsentiert ein schaurig dramatisches Spek­takel um Emanzipation und Schuld. Weiterlesen

“Bremen ist riesig” Ausstellungseröffnung mit Gesche & Heini

Eröffnung der Ausstellung “Bremen ist riesig” von Jürgen Brandt

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Als Gäste waren Pia als Gesche Gottfried und Andreas als Heini Holtenbeen geladen. Die beiden Darsteller aus dem Bremer Geschichtenhaus begeisterten die Gäste mit ihren kleinen Auftritten als Bremer Originale ebenso, wie die 3D-Objektkästen von Jürgen Brandt mit dem Thema „Bremen ist riesig„.
Die Ausstellung im Atelier Brandt Credo ist übrigens noch bis zum 21.Dezember 2014 geöffnet.
Öffnungszeiten: Sonntags von 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung
Tel.: 55 84 55 Meyerstraße 145, 28201 Bremen Weiterlesen

Die Giftmischerin

Adelbert von Chamisso, getauft 1781 in der Champagne, verstorben 1838 in Berlin, Namensgeber des bisher einzigen Literaturpreis für deutschsprachige Migrantenliteratur, über die Hinrichtung der Gesche Gottfried.

Gesche Gottfried (Engel von Bremen)

Die Giftmischerin

Dies hier der Block und dorten klafft die Gruft.
Laßt einmal noch mich atmen diese Luft,
Und meine Leichenrede selber halten.
Was schauet ihr mich an so grausenvoll?
Ich führte Krieg, wie jeder thut und soll,
Gen feindliche Gewalten.
Ich that nur eben, was ihr alle thut,
Nur besser; drum, begehret ihr mein Blut,
So thut ihr gut.

Es sinnt Gewalt und List nur dies Geschlecht;
Was will, was soll, was heißet denn das Recht?
Hast du die Macht, du hast das Recht auf Erden.
Selbstsüchtig schuf der Stärk’re das Gesetz,
Ein Schlächterbeil zugleich und Fangenetz
Für Schwächere zu werden.
Der Herrschaft Zauber aber ist das Geld:
Ich weiß mir Bess’res nichts auf dieser Welt,
Als Gift und Geld.

Ich habe mich aus tiefer Schmach entrafft,
Vor Kindermärchen Ruhe mir geschafft,
Die Schrecken vor Gespenstern überwunden.
Das Gift erschleicht im Dunkeln Geld und Macht,
Ich hab‘ es zum Genossen mir erdacht,
Und hab‘ es gut befunden.
Hinunter stieß ich in das Schattenreich
Mann, Brüder, Vater, und ich ward zugleich
Geehrt und reich.

Drei Kinder waren annoch mir zur Last,
Drei Kinder meines Leibes; mir verhaßt,
Erschwerten sie mein Ziel mir zu erreichen.
Ich habe sie vergiftet, sie geseh’n,
Zu mir um Hilfe rufend, untergeh’n,
Bald stumme, kalte Leichen.
Ich hielt die Leichen lang‘ auf meinem Schoß,
Und schien mir, sie betrachtend, thränenlos,
Erst stark und groß.

Nun fröhnt‘ ich sicher heimlichem Genuß,
Mein Gift verwahrte mich vor Überdruß
Und ließ die Zeugen nach der That verschwinden.
Daß Lust am Gift, am Morden ich gewann,
Wer, was ich that, erwägt und fassen kann,
Der wird’s begreiflich finden.
Ich teilte Gift wie milde Spenden aus,
Und weilte lüstern‘ Auges, wo im Haus
Der Tod hielt Schmaus.

Ich habe mich zu sicher nur geglaubt,
Und büß‘ es billig mit dem eig’nen Haupt,
Daß ich der Vorsicht einmal mich begeben.
Den Fehl, den einen Fehl bereu‘ ich nur,
Und gäbe, zu vertilgen dessen Spur,
Wie viele eurer Leben!
Du, schlachte mich nun ab, es muß ja sein.
Ich blicke starr und fest vom Rabenstein
Ins Nichts hinein.

Adelbert von Chamisso