Krimi-Lesung „Stürmische See“ (26.September)

„Akschoonsdag for Plattdüütsch in‘t Land Bremen“ 

Plakat+PLATT+Land+Fluss+2014

Im Rahmen des ersten plattdeutschen Aktionstag in Bremen lädt das Bremer Geschichtenhaus zu einem stimmungsvollen Leseabend in seinen schummrigen Räumlichkeiten im Schnoor ein. Helga Poppe wird um 18.30 und 19.15 Uhr schaurig schöne Krimis op Platt vortragen. Aber das Programm verrät, sowohl vorher als auch nachher wird einiges Weitere für die Freunde der plattdeutschen Sprache geboten.  Weiterlesen

Advertisements

Dat geiht narms duller to as op de Welt!

Der Esel und die Möhre

Am letzten Wochenende war es endlich soweit. Die Beinwärmer für den schon aufgeregten Esel sind geliefert und angepasst wurden. Und sie sind super schön geworden. Doch damit nicht genug. Die „Yarnitics“ waren diesmal besonders kreativ und großzügig. Neben den Beinwärmern bekam der Esel der Bremer Stadtmusikanten auch noch eine gestrickte Möhre.
Jetzt hat der Hund ein schönes Armband mit Blume, die Katze hat neben einem Armband auch noch ein schönes Halstuch, und der Esel Beinwärmer und die schon erwähnte wunderbare Möhre.

Nur der Hahn begnügt sich mit seinem natürlichen Vederfieh und schaut von seiner erhöhten Position auf seine drei Freunde und denkt sich vermutlich:
Dat geiht narms duller to as op de Welt!

Der Freundeskreis Bremer Geschichtenhaus bedankt sich
bei Yarnitic für die tolle Strickkunst!

De krassende Hahn

Kopfprofil Hahn

De krassende Hahn.

Een Förster, de im Holt wahnde, hedd twee Sähns, eenen van twelw den annern van viertein Jåhren. Nu geschach et eenmal, datt he mit siner Frau utfuhr, un de beiden Jungs blewen alleen to Hus. Sick de Langewil tö vördriwen gingen se in ehres Vaders Stuw, nehmen sick jeder een Gewehr, löden se, un gingen in den Gården Sparlinge to scheten. Se fünden äwerst keene Vägel. As se nu wedder ut dem Gården herut gahn wullen, spelden se mit den Flinten, as unfrode Jungs dhon, un leden up eenanner an, as wenn se scheten wullen. Un as dat Sprickwurt seggt: Wenn de Minsch vörbaden Spill makt, gift de Düwel ümsünst de Musik dåto—dem öldsten Jungen ging dat Gewehr los un sin Broder störtete dal as een Sperling, un was muschdood un mickte nich. In der Angst vör sinem Vader leep de Jung hen, nam eenen Spaden, un grof sinen Broder in de Erd, wo he fallen was. Un as he dåbi was, flog een roder Hahn up den Tun, slog de Flüchten tosam un kraihde mit luder Stimm. Un de Jung sede to em: Hahn, du swiggst. Un he nam ook de beiden Flinten un hängde se wedder an ehre Stell. Un as den Awend Vader un Moder to Hus kemen un fragden, wo sin Broder were, antwurte he as Kain: Wat weet ick, wo he is? He leep int Holz, glik as ji weg wert, un he is woll sinem Dohnenstieg nahgan un ward jo woll noch kamen. Un dat wurd spad, un de Jung kam nich un kunn nich kamen, un de Öldern wurden sehr unruhig un trurig. Äwerst de Doodscheter let sick nicks marken un dheede, as wenn he van nicks wüßte. Un se schickten ut in den ganzen groten Forst un lepen sülwst üm up allen Wegen un dör alle Dohnenstiege un spörden üm in allen Dörpern ümher, wo he hen to gahn plegde to den Nawers, un keen Minsch kunnt en wat van dem Jungen vörtellen. Un toletzt glöwden se, he were in een Water fallen un vörunglückt edder een Wulf edder anner Undeerd hedd en terreten. Awerst de Hahn lewde noch, de den Dooden begraben sehn und den Grafgesang dåto kreiht hedd. Un hier sach man recht, datt ook de dummen un unvörnünftigen Deerde äwer Doodslag un äwer vörgaten Minschenblood Lut un Teken van sick gewen mütten, wenn’t Gotts Will is, datt et an den Dag kamen schalt. Keen Dag vörging, datt de rode Hahn nicht twee- dree-mal henging, äwer den Gårdentun flog un sick henstellde, wo de erschatene Jung vörscharrt lag, un dåbi kraihde, as wull he seggen: Hier liggt, wat ji sökt, kamt her, halt et herut. Äwerst keen Minsch hedd Acht dårup gewen, wiel den Sommer då Kartüffeln stunden, wobi nüms wat to dhon hedd. Awerst as de Erdtüffeln herut nahmen weren, ging de Försterfru hen un seiede Blomensaat up der Stell, un as se sach, datt de Hahn dat bekrassede, jog se en weg. Un as he den tweeten un drüdden Dag jümmer wedder kam un’t nich beter makte, nam se den Hahn un spunde en in, un let en erst den sösten Dag wedder ut, as dat Saat all heel grön upgahn was, un meende, nu würd he ehr de Blomen woll tofreden laten. Awerst kum hedd se den Rüggen wendt, so wurd se ut dem Finster gewåhr, datt de Hahn all wedder då was un ut sinen besten Kräften un Künsten krassede un kraihde. Un se leep hen un reep ehre Magd un den Jägerburschen, datt se ehr den Hahn gripen hülpen; denn se was utermaaten bös un wull em den Hals ümdreihen, wenn se en kriegen künn. De Hahn äwerst was keen Narr un leet sick nich gripen. Un as se sick all ut dem Athem lopen hedden üm den Hahn un he to Busch flagen was, kam de Mann van der Jagd, un de Fru vörtellde em, wo’t ehr mit dem Hahn ging, un sede dåbi: Were ick äwerglöwsch, ick kunn mi inbilden, datt då wat Sötes unner der Erd liggt un een Schatz för uns vörgrawen is; denn de Düwel weet, wat de Hahn då süs to dhon hett un jümmer mit den Flüchten waifelt un kraiht, as wenn he sinen ganzen Frauenstall to sick locken wull. Un se spröken dåräwer, un de Mann sede: Will tom Spaß mal tosehn; då mag woll eene seltsame Wörtel sin edder so wat, datt man in der Wirthschaft bruken kann; denn dat is eenmal wiß, ehre Witterung hebben de Deerde, un de Vägel hebben de allerfinste Näs, dat mütt ick as Jäger weeten, un de is nich to verachten. Un he nam Hack un Spaden, un grof, un grof sick de bitterste Thranenwörtel ut der Erd, datt he vör Jammer hedd vörgahn mügt. Un as se de Lik utstellden un up eenen Karkhoff in hillige Erd leggen wullen, kunn de arme Broder et nich länger utholden un vörswigen un vörtellde: wo et sick im Spelen so trurig begewen hedd. Un he erinnerde sick ook an den roden Hahn, datt he up dem Tun satt un kraihde, un datt he to em spraken hedd: Hahn, du swigst.

Author: Ernst Moritz Arndt

Ernst Moritz Arndt.

Das plattdeutsche Weihnachtsgedicht – Die Bodderkoken

Das plattdeutsche Weihnachtsgedicht

Butterkuchen, Buttercake. Urheber: Zollernalb

Butterkuchen, Buttercake. Urheber: Zollernalb

Die Bodderkoken

Gries de Hewen, gries de Heid‘,
Allens still up Feld un Weid‘.
Ganz verswunnen is de Sünn‘,
Un de Dag wahrt bloß dree Stünn‘.
Doch nu töwt man noch bet morgen,
Denn vergaht jo all de Sorgen,
Un na all de Möh un Plag
Kümmt de helle Wiehnachtsdag.
Ut is’t mit de Heemlichkeit,
Allens lewt in Glück un Freid,
Wenn sick öpen dot de Dören,
Un de Ohlen und de Gören,
Mudder in de Stuw‘ rinlett,
De se noch verslaten hett. –
Nu mag ja mannicheen woll wäten,
Dat mal dat Sluten ward vergäten,
Bi Ostermanns is’t ok passeert.
Den Dag vör Heiligabend wör’t:
De Botterkoken kümmt von’n Bäcker,
Fief Stück up Platen schön un lecker;
Se werd, weil süß keen Platz to finnen,
Platt up de Eer ahn lang Besinnen
Nu in de beste Stuw rinschaben,
Wo ok liggt all de Wiehnachtsgaben.
As dütt nu hett besorgt de Fro,
Slutt se de Dör nich wedder to.
Un bald kummt nu de Abend ran,
Da geiht ohl Vadder Ostermann
In’n Düstern in de Stuw herin,
Wo all de Botterkoken stünn.
He föhlt dat, as he wieder geiht,
He up wat Weekes pedden deiht. –
„Szü“, denkt he, „dat is ja mal nett,
En Teppich schenkt mi min Lisett.“
He pedd’t na rechts, he pedd’t na links.
„Un tämlich grod is ok dat Dings.
Dat ward woll’n ganzen dür’n sien.
De Föt sackt örnlich deep herin.“
Ganz sachte slickt he wedder trüg,
Up eenmal hört he en Geschrigg:
Dicht achter em da steiht sien Fro,
De kummt mit Licht da grad up to.
Un nu kickt Vadder Ostermann
Bi Licht sick de Bescherung an.
„De schöne Koken!“ jammert’s beid,
„Vörbi is nu de beste Freid.“
Vertrampt is he nu von den Ohlen,
De em harr vör en Teppich holen.

von August Krantz

Gefunden in den Buchempfehlungen zum Fest vom Carl Schünemann Verlag Bremen und Ihrer Buchhandlung Arthur Geist, Am Wall 161, 2800 Bremen 1. Leider ohne Altersangabe.

Der Freundeskreis Bremer Geschichtenhaus
wünscht Allen eine gesegnete Weihnachtszeit!

Dat Märken von de Bremer Stadtmuskanten

De Bremer Stadtmuskanten, dat is en Märken ut de Ümgegend vun Bremen. Dat hannelt vun veer Deerten, de oolt sünd un vun jemehr Besitters nich mehr bruukt warrt. Se besluten as Muskanten na Bremen to gahn.

So geiht dat Märken

De Esel, de bi’n Möller de Säck sleppen deit, is oolt un kann de Säck nich mehr bikamen. So will he denn utneihn un na Bremen gahn, dor Stadtmuskant warrn, denn de Stadtlucht maakt jo free. Op’n Weg na Bremen kaamt em de Reeg na en Hund, en Katt un en Hahn in de Mööt, de ok all to oolt sünd, un nich mehr to’t Jagen un Müüsfangen döögt oder in’e Supp schöölt. De Esel seggt jem, dat een wat beters as den Dood överall finnen deit un dat se mit na Bremen kamen schullen. Se wüllt nu furts all veer Muskanten in Bremen warrn. Weiterlesen

Dyll Ulnspiegel in Bremen. Die lxix. History.

Eyn wunderbarliche
vnd seltzame History / von Dyll Ulnspiegel
/ burtig auß dem land Brunschweig / wie
er sein leben verbracht hatt / newlich auß
Saechsicher sprach auff gut Teutsch
verdolmetschet / seer kurtzweilig
zu lesen /

eulenspiegel lxix

Wie Ulnspiegel zu Bremen seinen gesten den braten auß dem hinderen betreuffet.

Die lxix. History.

Als nun Ulenspiegel dise bueberey zu Bremenn het außgericht / da ward er
gantz wol bekant inn der Stat Bremen / so daz jn die Burger wol leiden mochten / vnd inn allen schimpffen haben wolten / vnnd Ulnspiegel waz lang in der Stat / da was dann ein versamlung von Burgern vnnd auch von jnwonern / als kauffleut die hetten ein collation vnder einander / das einer zu vorauß ein braten gab / kaeß vnd brot / vnd welcher nit kaem / sonder groß nodt / der must dem Wirdt die yrten / als gar bezalen / also auff Bremermarckt / vnd auff diß geloch kam Ulnspiegel / vnd sie namen jn zu sich fur ein schimpf mann / das er mit jnen collation hielt / als nu daz geloch herumb gieng / kam es auff Ulnspiegel auch / da lud er sein zergesellen inn sein herberg / vnd kaufft ein braten / vnnd legt jhn zu dem feur. Als nun schier ymbiß wolt werden / da kamen die Zergesellen bey dem marckt zu samen / vnd sprachen vnder einander / sie wolten Ulnspiegel zu eeren gon / vnd einer fraget den andern / ob niemants wißte ob er auch etwas gekocht hett oder nit / daz sie nit vergebens dar kaemen / vnd wurden also eins / das sie zu samen wolten dahin kommen / sagten / es wer besser sie entpfiengen den spot mit einander dann einer allein. Also da nu sein Zergesellen fur die thur kamen / da der gut einfaltig Ulenspiegel inn zu herberg was / da nam er ein stuck butter / vnnd stieß das hinden inn die kerben / vnd kert den arß hinden zu dem feur / uber den braten / vnnd betreufft also den braten / mit dem butter auß der kerben / vnd da die gest fur die thur kamen / vnd stunden / vnnd wolten vermercken / ob er auch etwas gekocht hett / da sehen sie / das er also stund bey dem feur / vnd betreufft den braten / da sprachen sie also / der Teufel sey sein gast / ich iß den Braten nicht / vnnd Ulnspiegel mandt sie vmb die jrten / die sie jm gern gaben auff das sie von dem braten nit doerfften essen.

Gedruckt zu Aufspurg / Durch Alexander Weissenhorn.
Im Jar Tausent Funffhundet vnd Fiertzig.

Dyll Ulnspiegel in Bremen. Die lxvij. History.

Eyn wunderbarliche
vnd seltzame History / von Dyll Ulnspiegel
/ burtig auß dem land Brunschweig / wie
er sein leben verbracht hatt / newlich auß
Saechsicher sprach auff gut Teutsch
verdolmetschet / seer kurtzweilig
zu lesen /

eulenspiegel lxvij

Wie Ulnspiegel zu Bremen milch kauffet von den beurin / vnd sie zusamen schutten ließ.

Die lxvij. History.

Seltzam vnd lecherrliche ding trib Ulenspiegel zu bremen Auff ein zeit kam
Ulnspiegel gen Bremen auff den marckt / vnd sahe das die Beurin vil milch
zu marckt brachten / da wartet er einßmals darauff auff ein marckt tag da
kam vil milch dar / da uberkam er ein grosse butten / vnnd setzet die auff
den marckt / vnnd kaufft alle die milch auff die an den marckt kam / vnd
ließ sie alle inn die buet schutten / vnd schreib yegliche fraw an / zu
ring herummer / die ein so vil / vnd also fur auß / vnnd sagt den frawen /
sie solten beiten so lang / biß er die milch bey einander het / so wolt er
ein yegliche bezalen. Die frawen sassen da auff dem marckt inn einem ring
herumb / vnnd Ulnspiegel kaufft der milch so vil / das da kein fraw mit
milch mer kam / vnd der zuber was auch gar vol / da kam Ulnspiegel vnd
macht ein schimpff / vnd sagt / Ich hab auff diß mal kein gelt / woelche it
beitten will xiiij tag / die mag jr millich wider auß der butten nemmen /
vnnd gieng damit hinweg. Die beurin machten ein grewel vnd ein rumor / eine die het so vil gehabt / die ander souil / die drit des geleichen / also das
sich die Frawen daruber mit den eimern / vnd legeln / fleschen einander zu
den koepffen wurffen / schlugen / vnd gossen einander die milch vnder die
augen / vnd schutten die milch auff die kleider / vnd auff die erd daz es
sahe / als hette es milch geregnet / die Burger die es sahen / die lachtenn
der schalckheit / das die Frawen also zu Marckt giengen / vnd Ulnspiegel
ward seer gelobt inn seiner schalckheit.

Gedruckt zu Aufspurg / Durch Alexander Weissenhorn.
Im Jar Tausent Funffhundet vnd Fiertzig.