„Morgen ist ein neuer Tag“

„Morgen ist ein neuer Tag“

Von Helga Rehbock

DSC09934-001

1. Die Aufforderung

„Reden sie mit uns,“ sagte die Stimme.
Sie kam aus dem Fernseher. Anselm Boreylson erwachte. Er dachte, er hätte tief und lange geschlafen. Aber mit der Länge war es nichts geworden. Die Sendung war noch nicht mal vorbei.
Er holte seine Brille heraus, und der Sprecher gewann an Sehschärfe.
„Rufen sie einfach eine der angegebenen Nummern an. Wir sind bis 24 Uhr erreichbar…“
Die Stimme verstummte. Der Sprecher zwinkerte mehrfach mit den Augen, als Zeichen, dass er ausgeblendet werden konnte.
Boreylson musste ebenfalls zwinkern.
Der Studiosprecher verschwand und machte der Fotografie eines Wagens Platz.
Sein Wagen !
Das war sein Wagen !! Weiterlesen

„Rotkäppchen und der böse Wolf“

„Rotkäppchen und der böse Wolf“
von Helga Rehbock

1)
Diese Geschichte ist dem Mann gewidmet, der die Schaubühne inszenierte, und zwar so, dass im Jahr 1977 sogar Schuberts „Winterreise“ im eiskalten Stadion noch packend genug rüberkam. Ich hoffe, dass mir das ebenso gelingt.
Meine beste Freundin war in just dieser Zeit Schauspieler-Elevin und bestrebt darin, sich ihr Studium zu verdienen, ohne auf Papas Tasche zu liegen. Sie spielte nachts Blackjack. Ich möchte hier nicht mit Einzelheiten aufwarten, aber Blackjack ist reine Mathematik. Wer das beherrscht, der kann den Croupier über den Tisch ziehen – im wahrsten Sinne des Wortes. Cora hatte schon mehr Männer ausgezogen, als ich unbekleidete im ganzen Leben gesehen hatte. Wer sie kannte, hatte am nächsten Morgen seine Stellung verloren.
„Ist das nicht furchtbar aufregend?“ war ihr Lieblingssatz. Weiterlesen

„Der Reporter“ von Helga Rehbock

FKBGH PROUDLY PRESENT:

„Der Reporter“

Eine Geschichte von Helga Rehbock 

1. Teil

Say me, what ist that town? Is ist a big town, a small town? What are the people there living in this town? They`re afraid? They`re laugh? Or cry? Are they rich? Or poor?
I want to know, what is this town? Please give me an answer. –

Die Bitte war an Alexander Bowman gerichtet. Handelsattache. Reisender, Schriftsteller. In den letzten 25 Jahren war er ständig unterwegs gewesen. Im Auftrag von Regierungen des Auslands. In dieser Zeit hatten die Namen von Königinnen und Regenten mindestens einmal gewechselt.
Am liebsten war er in den großen Städten, wo der Reiseverkehr florierte. Bowman fuhr gerne mit Schiffen und der Eisenbahn. Flugzeuge dagegen mochte er nicht. Diese Dinger waren, seiner Meinung nach, nur darauf aus, Menschen zu killen. Weiterlesen

„Der Nachtvogel“ von Helga Rehbock

Vorwort

Diese Geschichte heißt „Der Nachtvogel“ und wurde von Helga Rehbock geschrieben. Sie spielt im Deutschen Kaiserreich, im Jahre 1915; zwischen zwei Olympiaden.
Hinweis für die Anhänger alter Sportfeste: Dis nächste Olympiade war 1920 in Antwerpen. Damals  holten zwei Norweger, Otto Olsen und Ole Liloe-Olsen Gold im Schießen unter den Disziplinen „Laufender Hirsch“ und Armeegewehr, Doppel- und Einzelschuss. Schießen und Messerwerfen sind sich ein wenig ähnlich.
Letzter Satz: Alle Personen sind erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind das Opfer von Zufälligkeit.

SONY DSC

Helga Rehbock im Bremer Geschichtenhaus. Foto © A. Tajer

„Der Nachtvogel“

Kapitel 1

Der lange dünne Mann fiel um. Direkt auf die Holzbohlen des Kabaretts.
Er lag einfach da und rührte sich nicht mehr. Es kam plötzlicher als ein Donnerschlag und heftiger als der Blitz, und es hatte zur Folge, dass alle drum herumstanden, steif und entsetzt.
Jemand schickte ein Stoßgebet zum Himmel und murmelte, der Mann möge wieder aufstehen. Doch nichts passierte. Weiterlesen